Frida Leider – Pracht, Kunst, fließendes Singen

 

Am 4. Juni 1975, vor 40 Jahren, starb Frida Leider! Eine einmalig schöne, vor innerer Spannung und Emotion vibrierende dramatische Sopranstimme. In den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts feierte sie Triumphe, besonders auch als Partnerin von/mit Lauritz Melchior in „Tristan und Isolde“ bzw. als Brünnhilde. Seit ich diesen weichen doch dabei immens raumfüllenden, „weiten“ Klang das erste Mal gehört habe, bin ich ihr regelrecht verfallen. Nachdem ich mich an die historischen Aufnahmen und deren spezieller Klangcharakteristik gewöhnt hatte, suchte ich nach immer mehr Aufnahmen von ihr. Diese Aufnahme der großen Arie der Rezia aus Webers Oper „Oberon“ ist ein herausforderndes Stück für eine jede Sängerin: Gestaltungswille, Emotion, Dramatik, Geläufigkeit, Höhe, Kraft und Zartheit, Wechsel zwischen Rezitativ- sowie Arioso-Stil sind hier gefordert. Die Stimme gleitet durch alle Anforderungen mit einem immerwährenden Glanz und einem perfekten Legato. Ein nicht enden wollender Strom dunkelroter Lava. Dabei singt Frida Leider stets den Ausdruck und vermeidet veristische Gesten. Phänomenal die Ausgeglichenheit der Stimme, zur Tophöhe hin heller werdend und immer die Kopfresonanz nutzend. Das Vibrato empfinde ich als perfekt in Umfang und Einsatz, die Wirkung gerade in Steigerungen enorm. Sicher hatte die Stimme im Raum eine große Tragfähigkeit. Sehr interessant sind die Unterschiede zwischen Studio- und Liveaufnahmen: Hält sie sich im Studio meistens in der Ausdrucksstärke zurück, so ist sie live direkter, glutvoller, gewinnt sie zusätzliche Dimensionen in ihrer Wirkung. Besonders Aufnahmen von 1938 aus London kann ich allen alten sowie neuen Fans dieser Wahnsinnssängerin empfehlen: Entgegen mancher Behauptung, sie habe ihre Höhe verloren, lässt sich bei den Szenen der Brünnhilde in der „Götterdämmerung“ bis zum hohen B das Gegenteil erleben. Inneres Erleben, Pathos ohne veristisches Übertreiben lassen für mich eine Brünnhilde der absoluten Sonderklasse hören. Mögen auch die hohen C verloren oder kurz geraten sein in ihren späteren Jahren, so sind dies „Verluste“, welche gar nicht als solche bemerkt werden angesichts der einzigartigen Kreation der Rolle. Und wenn Interpretation immer wieder auch eine Frage des Geschmacks ist, so bleibt das Singen auf dem Atem, die Weite der Töne, das ebenmäßige Legato sowie der Klang dieser frei strömenden Stimme ein nie versiegender Fluss inspirierender Augenblicke.

Hier jedoch, in der Arie und Szene der Rezia, hat sie mit dem hohen C am Ende der Arie keine Probleme. Sie attackiert es nicht direkt, sondern gleitet ohne den geringsten H-Laut hinauf und beendet jubilierend den schnellen Schlußteil. Eine Künstlerin der Sonderklasse!
Danke, Frida Leider! Mögen viele neue Fans dieser Sängerin ihre eigenen Erfahrungen sammeln und beschenkt werden.

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